Weihnachten in Litauen

Weihnachten im Litauen
Weinachten – wunderschöne, bezaubernde, märchenhafte Zeit. Tief in meiner Seele werden die herrlichen Kindheitserinnerungen erweckt. Ich genieße schon das sich nähernde Fest.
Weinachten. Dieses Wort ist für mich einem Zauberspruch ähnlich. Es sind darin sehr viele wunderbare Gefühle verborgen: Erinnerungen, Träume, Erwartungen. Es ist für mich das Symbol der Geborgenheit, des Freimuts, der Fröhlichkeit, der Milde und der Güte.
In jedem christlichen Land wird dieses eine der größten religiösen Feste auf verschiedene Art und Weise gefeiert. Jede Region, jeder Beezirk, jedes Land hat zahlreiche Sitten und Bräuche, die sich meistens ganz stark voneinander unterscheiden.
In Litauen, wird Weinachten sozusagen fast in jedem einzelnen Dorf ein bißchen anders gefeiert. Ich würde jetzt doch gerne nicht die unendliche Mannigfaltigkeit der Festtraditionen darstellen, sondern davon erzählen, wie es in meiner Familie gefeiert wird.
Wir bereiten uns darauf mehrere Tage lang vor. Zusammen mit meiner Mutter verbringe ich zahlreiche Stunden in der Küche: wir kochen, braten, backen . Dann soll man noch das ganze Haaus aufräumen. In der Ecke sieht man ein kleines, mit Kerzen und Weihnachtsbaumschmuck verziertes Tannenbäumchen unter dem der Weihnachtsmann jedem, sowohl den Erwachsenen als auch den Kindern, Geschenke hinterlassen hat. Aber keiner öffnet die lockenden Präsentkörbchen. Es kommt noch Zeit da

azu.
Es herrscht feierliche Stimmung. Kein zorniges Wort wird gesprochen, an diesem Tage ist man besonders höflich und artig, man wird freundlicher, hilfsbereiter, geduldiger, friedfertiger und gutmütiger.
Jetzt warten alle ungeduldig auf den ersten Stern, der an den Bethlehemstern erinnern sollte. Wenn er auf dem schwarzen Himmel erscheint, dann ist es ein Zeichen dafür, daß man sich schon an den feierlichen Tisch setzen kann. Wir bitten um Wohlstand für die ganze Familie im kommenden Jahr, wir entschuldigen uns für all das Böse, das wir anderen Menschen getan haben, wir bitten den lieben Gott um Hoffnung, Glauben und Liebe.
An diesem Abend fühlt jeder die Anwesenheit der guten Kräfte; die Menschen sind anders als sonst: alle werden ein wenig besser, barmherziger, rüücksichtsvoller, zärtlicher und menschlicher. Man vergibt alte Schulden, man denkt nur an das Gute. Man wird tatsächlich zu einer großen Familie.
Alle können jetzt schon ihre Geschenke auspacken und sich darüber freuen. In dieser Nacht wird kaum geschlafen. Wir sitzen am Tisch und brauchen sogar nicht mehr miteinander zu reden. Wir genießen die reizvolle Herrlichkeit dieser Heiligen Nacht.
In dieser Nacht gibt es in der menschlichen Seele keinen Platz für das grimmige Gefühl der Enttäuschung, weil es von den drei größten ch
hristlichen Tugenden: dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe, verjagt wird.

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