Litauen

LITAUEN

Schon seit vielen Jahrhunderten lebten die Litauer und ihre Vorfahren an der Ostseeküste. Es gab Zeiten, da der litauische Staat eine bedeutende Rolle in der Geschichte Europas gespielt hat, später aber war er für einige Zeit ganz von der Landkarte verschwunden. Im Laufe der Jahrhunderte hat das litauische Volk viel erfahren, es muβte hartnäckig für seine Existenz kämpfen, doch trotz alledem hat dieses kleine Volk seine Sprache und seine nationale Kultur zu erhalten verstanden.
Litauen auf der Landkarte. Auf der Karte Euuropas fällt Litauen nicht besonders auf. Es ist ein kleines Land an der Ostsee. Seine Fläche beträgt 65 200km2 (0.3% des Gesamtteritoriums der Sowjetunion), also ist es fast viermal kleiner als Groβbritannien und etwa achtmal kleiner als Frankreich. Aber Litauen ist gröβer als Dänemark, die Schweiz, die Niederlande, Belgien und Lettland (64 000km2), Estland (45 000), die Moldauische Republik und Armenien.
Die Landschaft ist keinesfalls eintönig. Der Weg führt bald zwischen malerischen Hügeln und Seen entlang, bald durch dunkle Wälder, dann wieder über grüne Ebenen. Litauen liiegt in einer Tiefebene, die sich nicht mehr als 300 Meter über dem Meeresspiegel erhebt. Litauens Oberfläche wurde von Gletschern geformt, die etwa dreimal in einer halben Million Jahren sein Territorium bedeckt und sich zum letztenmal vor etwa 13000-16000 Jahren zurückgezogen hatten. Ei

iner dieser Granitblöcke, der unweit von Anykščiai hervorragt, wird Puntukas genannt. Sein Umfang beträgt etwa 100m3, sein Gewicht 265 Tonnen.
Bodenschätze. Mineralquellen sind ein groβer Schatz unseres Landes. Sie sind besonders reichlich in Südlitauen, an den Ufern des Nemunas, wo sie aus groβer Tiefe (300-500m) sprudeln. In den Kurorten Druskininkai und Birštonas werden die heilsamen Eigenschaften dieser Natriumchloridquellen weitgehend ausgenutzt.
Die Wellen der Ostsee spülen Bernstein an die litauische Küste. Dieses “litauische Gold”, das sich vor 50-60 Millionen Jahren unter feuchtwarmen Klima aus dem Harz der riesengroβen Nadelwälder gebildet hat, wird weitgehend im Kunstgewerbe zu Schmuckgegenständen, in der chemischen Industrie usw. verarbeitet. Ein Stück reinen Bernsteins oder ein Souvenir ist das beste Geschenk aus Litauen, ein Andenken an unser Land. Nicht umsonst wiird Litauen oft “Bernsteinland” genannt.
Klima. Litauen liegt in der gemäβigten Klimazone, im Übergangsgebiet zwischen dem westeuropäischen Seeklima und dem osteuropäischen Landklima, am Kreuzwege der Ost- und Westwinde. Die Seeluftmassen der mittleren Breiten (sie betragen jährlich etwa 40%) bringen im Sommer kühle Temperaturen von +14° bis +16ºC, Wolken und Regen, im Winter-Schnee, Nebel, Nulltemperaturen. Mit den kontinentalen Luftmassen kommt im Sommer heiteres Wetter mit mittleren Tagestemperaturen von +18° bis +20°C, im Winter-Frost von -6° bis -10°C. Solches Wetter, das oft sehr ungleichmäβig wechselt, dauert im
m Durchschnitt jährlich etwa 140 Tage. Selten erreichen Litauen die ferneren arktischen Luftmassen, die im Winter Frost über -30ºC bringen (die niedrigste registrierte Temperatur ist -43ºC), zu anderen Jahrreszeiten eine plötzliche Abkühlung.
Die Ostsee und Ihre Küsten. Die litauische Ostseeküste hat eine Länge von 99 Kilometern. Mehr als die Hälfte des litauischen Meeresstrandes bildet die Kurische Nehrung (Neringa), ein Gebiet von einzigartiger Naturschönheit. Das ist die Legende. Die Wissenschftler erklären: Die 98km lange und 0,5-4km breite Sandhalbinsel-die Nehrung-wurde von nach Norden gerichteten Meeresströmungen, den Winden und dem hier mündenden Fluβ Nemunas gefornt. Mehr als die Hälfte der Halbinsel mit ihrer Spitze und malerischste Teil der Nehrung. (Der übrige Teil gehört zum Kaliningradgebiet der Russischen Föderation.) Die gröβte Sehenswürdigradgebiet der Nehrung sind ihre Sanddünen. Das Meer war dem Menschen nie freundlich gewessen. Die Natur der Kurischen Nehrung ist wunderbar. Es gibt Stellen, wo man nur Sand und Meer erblickt, wohin sich auch das Auge wendet. Es ist eine wahre “litauische Sahara”. Die majestätischen Dünen erreichen stellenweise eine Höhe von 50-60 Metern. Kilometerlang erstrekken sich Kiefernwälder, in der Ebene zwischen der Dünenkette und dem Meer rauschen Laubwälder, in denen Elche, Wildschweine, Füchse, Rehe, Hasen leben. Etwa 2000 Hektar Sandfläche deckt jetzt der grüne Teppich der vom Menschen ge
epflanzten Bergkiefern-dicht, ver flochten, ein richtiger kleiner litauischer Dschungel. Und dahinter, ganz am Meeresufer, läuft eine niedrige, lange Schutzdüne. Die Menschen haben sie gebaut um sich und die Natur gegen Wind und Meer zu schützen. An der Küste des Kurischen Haffes, von Dünen und Wäldern gegen die Ostseewinde geschützt, liegen die Fischersiedlungen Juodkrantė, Nida und andere. Natur von seltener Schönheit, Badestrände mit feinem, weiβem Sand, reichlich Sonne (hier hat man am meisten heitere Tage im Jahre) locken jeden Sommer Tausende Sommergäste auf die Nehrung. Nida und Juodkrantė sind zu Gemütlichen Badeorten geworden. Neringa ist wie ein Magnet. Es zieht Touristen nicht nur aus Litauen an, sondern auch aus anderen Sowjetrepubliken. Das Kurische Haff-ist das gröβte litauische Binnengewässer.
Flüsse. Der Nemunas ist 937km lang und steht in dieser Beziehung an 14. Stelle unter den europäischen Flüssen. Jeden Frühling, wenn sich der Nemunas von der Eisdecke befreit, überschwemmt er groβe Landflächen. Etwa 40000 Hektar der Überschwemmungswiesen sind der gröβte Schatz des Nemunasdeltas. Jedes Jahr werden sie bei der Überschwemmung mit den Fluβablagerungen gedüngt und sind deshalb besonders fruchtbar. Sie liefern eine beträchtliche Heuernte.
Seen. Seen-diese wunderbaren Augen der Erde-hat Litauen mehr als dreitausend. Die meisten von ihnen sind Überbleibsel von Gletschern. Einige haben gewundene Uf
fer, voller Einbuchtungen. Die meisten Seen (etwa drei Viertel) erstrecken sich über dem Baltischen Landrücken in Ostlitauen. Hier sind sie zu einigen gröβeren Seengebieten vereint. In Ostlitauen liegt auch der gröβte See des Landes-der Drūkščiai-See. Zwischen üppigen Fichtenwäldern liegen die fischreichen Seen von Zarasai, ein beliebter Aufenthaltsort für Touristen. Eine weitere Gruppe wunderschöner Seen finden wir unweit von Vilnius. Im Süden erstrecken sich die Seen Dusia, Metelys, Obelija-einige der gröβten Seen Litauens.
Tierwelt. Der litauische Wald bezauberte viele Dichter, Maler, Komponisten. Im 19. Jahrhundert schuf der Dichter Antanas Baranauskas den Hain von Anykščiai-eine farbenreiche Dichtung über die Schönheit des Waldes. Fast in allen Wäldern treffen wir heute den Waldriesen, den Elch, mit seinem schön verzweigten Geweih. Überall gibt es Rehe, etwa eine Viertelmillion Hasen, auch Eber (etwa 15000), Füchse, Eichhörnchen, Marder, Ottern. Die Zahl der Wölfte ist so zusammengeschrumpft, daβ man schon an ihren Schutz zu denken beginnt. Es wurden auch neue Tierarten akklimatisiert-der gefleckte Sikahirsch, die Bisamratte, der kanadische Nerz. Für einige Tiere, wie Nerze und Silberfüchse, gibt es Zuchtfarmen. Von der Vogelwelt kennen wir schon die Schwäne (über 500), die bereits in mehreren Gewässern nisten. In Litauen gibt es etwa 50 Fischarten, die meisten von ihnen im Kurischen Haft: Blei, Stint, Zärte, Plötze, Barsch u. a. In die litauische Flüsse kommen auch Lachse zum Laichen.

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